Rosiériste Pajotin-Chédane
Denken wir doch mal gemeinsam nach.
Wie ist es denn, wenn wir von dem bildhübschen, blutjungen Mannequin hören, das den 75jährigen Nabob geheiratet hat? Wird es Liebe gewesen sein?
Oder wir bekommen per Mail Nachricht über den Hauptgewinn in einer Lotterie, an der wir gar nicht teilgenommen haben. Wird es wahr sein?
Ein gewisses Misstrauen ist manchmal durchaus angebracht.
Wie also kann es angehen, dass eine Rose wie diese hier (man betrachte bitte die Bilder) weltweit von nur zwei Rosenschulen angeboten wird? Und eine von denen ist auch noch mehr Schülchen als Schule.
Da muss etwas faul sein.
Gehen wir mal der Reihe nach durch.
- Die Blüte: 1A! Bildhübsches Mannequin, könnte man sagen. Jede Einzelblüte in der Zeichnung ein Unikat
- Blühfreude: Hammer! Vielleicht bin ich auch einfach nur prüde, aber beim Blühen sprechen wir ja immerhin von Sex und da wäre, im Bilde bleibend, dieses lose Ding nichts anderes als eine Nymphomanin. An jedem Triebende ein Blütenmonster, das ohne Weiteres als fertiges Bouquet durchginge. Und ja, öfterblühend und bis in den Spätherbst hinein.
- Bestachelung: Vorhanden, aber nicht auffällig.
- Blattwerk: Recht hell, stabil, für eine Polyantha vielleicht etwas groß, aber sauber und gesund.
- Habitus: Mannequin, schlank und aufrecht, bei bestem Boden bis zu fraushoch.
Tja, was kann es nur sein, was diese Rose der internationalen Gemeinde der RoseHunters verborgen geblieben sein ließ? Und das seit 1933, das sind, Stand heute, 89 Jahre!
Es kann nur die mangelnde Frosthärte sein.
Und da würde ich jetzt gern Aufschluss geben, aber das kann ich nicht, weil all die letzten Winter hier vor Ort nicht von der Art waren, dies zu überprüfen.
Minus 14 oder minus 15 Grad sind nicht wirklich aussagekräftig.
Also, ein gewisses Misstrauen ist angebracht, denn immerhin stammt diese Rose ja aus Frankreich, wo Fröste eher selten sind.
Ich selbst habe meine Mutterpflanze einfach auf dem Feld stehen, aber empfehle hier doch lieber, sie an einen eher geschützten Ort (Weinbaugebiet, Stadtlage, Mikroklima als Stichwörter) zu setzen und zumindest im ersten Jahr auch anzuhäufeln.
Frosthärter als die ein oder andere Rose aus England wird sie schon sein.
PS:
Vielleicht liegt es ja auch nur an diesem unaussprechlichen Namen.
Nachtrag August 2024:
Im Winter 23/24 sind meine mittlerweile zwei Mutterpflanzen bodennah zurückgefroren. Sie waren nicht angehäufelt oder anderweitig geschützt.
Dennoch standen beide den ganzen Sommer über in Blüte.